Pro Aidants treibt im Bericht-Zeitraum Juli 2019 bis Juni 2020 den Aufbau als Selbsthilfeorganisation für betreuende Angehörige weiter voran.

Es gibt in der Schweiz eine Demenz-Strategie, eine Palliative-Care-Strategie – doch keine Strategie für betreuende Angehörige. Das Gute liegt für einmal nicht so nah, aber bereits im nahen Ausland wird man fündig. Die europäische Betreuenden-Organisation Eurocarers, bei der Pro Aidants Mitglied ist, hat über mehrere Jahre eine 10-Punkte-Strategie für betreuende Angehörige entwickelt. Sie ist ausgereift und deckt sich mit den Erfahrungen in der Schweiz. An ihr richtet sich Pro Aidants in erster Linie aus 

Im Mai schafft die Koordinationsplattform von Pro Aidants – We+Care – die Hürden zum Samsung-For-Impact Acceleration Programm. Prof. Mariana Christen Jakob (seif.org) erläutert dem Vorstand an der Juni-Sitzung die Grundprinzipien des Social Impact-Ansatzes. Das bietet für Pro Aidants eine spannende Gelegenheit, die eigene Ausrichtung anhand der Nachhaltigkeitsziele aus der Agenda 2030 weiter zu präzisieren.  

Organisation

Der Vorstand nutzt die Chancen, die sich mit dem Aufbau eines neuen Unternehmens und der Verfügbarkeit neuer digitaler Hilfsmittel bieten. Bei der internen Zusammenarbeit und bei der Kommunikation mit den Mitgliedern sollen Selbstorganisation, Transparenz und Partizipation eine überdurchschnittliche Rolle spielen. Chancen und Grenzen dieser Zusammenarbeitskultur zeigt der Lockdown im März 2020 sehr bald. Zunächst zu den Chancen: Sofort kann auf die digitalen Mittel zurückgegriffen werden, welche schon konzipiert und grösstenteils eingeführt sind. Zu den Grenzen: Es wird deutlich, dass schnelle Entscheidungen und partizipative Selbstorganisation nicht immer zusammenpassen. Aber der Frühling 2020 ist eine Ausnahmesituation und zwischen den Extremen gibt es reichlich Platz für kreative Lösungen. Das neue Organisationsreglement profitiert von diesen Erfahrungen und beschreibt einen eigenen, pragmatischen Weg.

Mutationen

Peter Eckert von der Spitex Zürich Sihl übernimmt eine neue Aufgabe und tritt aus dem Vorstand zurück. An seine Stelle tritt Devrim Yetergil Kiefer, Geschäftsleiterin der Spitex Zürich Sihl. Peter Eckert hat als Mitglied der ersten Stunde eine wesentliche Rolle beim Aufbau von Pro Aidants gespielt. Wir danken ihm an dieser Stelle ausdrücklich für seinen Einsatz.  

Neu zum Vorstand stösst Christian Murbach, Geschäftsführer Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Schwyz. 

Gemeinnützigkeit

Pro Aidants definiert sich als eine Selbsthilfeorganisation. Wie bereits vom hinzugezogenen Anwalt befürchtet, ist das der Hauptgrund dafür, dass der Kanton Zürich Pro Aidants nicht als gemeinnützig anerkennt (der Verein dient der Selbsthilfe und strebt damit nicht den Nutzen für alle, sondern für eine bestimmte Zielgruppe an). Dies hat den Nebeneffekt, dass der Verein nicht steuerbefreit ist. 

We+Care

Der Vorstand befasst sich intensiv mit dem Zusammenspiel der beiden Organisationen Pro Aidants und We+Tech. We+Tech entwickelt im Auftrag von Pro Aidants die We+Care-App. Diese App wird es den betreuenden Angehörigen ermöglichen, das Betreuungsnetz über die Grenzen von Ehrenamtlichen und Professionellen hinaus digital zu koordinieren.  

Vernetzung und Mitgliedschaften

Die internationale Vernetzung über Eurocarers wurde bereits angesprochen. Dem gleichen Zweck dient das Engagement bei Aging 2.0. Auf nationaler Ebene pflegt Pro Aidants Kooperationen, Partnerschaften oder den einfachen Informationsaustausch. Mit der Interessengemeinschaft Angehörigenbetreuung (IGAB) entwickelt sich im Verlaufe der Corona-Pandemie eine Aufgabenteilung. Während die IGAB in Bundesbern für die betreuenden Angehörigen lobbyiert, engagiert sich Pro Aidants auf den darunter liegenden Staatsebenen und im direkten Kontakt zu den betreuenden Angehörigen. Strategische Kooperationen nimmt Pro Aidants auch mit dem Gesundheitsnetz Xunds Grauholz, Cléa und Curvita auf.

Forschung

Pro Aidants erhält im August 2019 den grundsätzlichen Zuschlag zu einem Projekt im Rahmen des europäischen AAL-Programms (Active and Assisted Living). Im Berichtsjahr besteht die Hauptaufgabe darin, die Eigenmittel aufzubringen, um die Förderbeiträge auszulösen und die Verträge mit den fünf Partnerorganisationen auszuarbeiten, die da sind: We Technology Association; das iHomeLab der Hochschule Luzern; der Kanton Aargau, Departement Gesundheit und Soziales; die University of Toronto Mississauga, Kanada und Smart In Life 2.U., Österreich. 

Finanzierung

Vorstand und Mitarbeitende erbringen ihre Leistungen für den Verein bis jetzt ehrenamtlich. Spenden, Förder- und Mitgliederbeiträge sowie Projekterträge ermöglichen es, die Vereinsrechnungen zu bezahlen. Die Leistungen, die Pro Aidants für das AAL-Forschungsprojekt "Quality of life at the end of life" (QEoL) erbringt, sind dank den Förderbeiträgen von Innosuisse und einem Beitrag von Swisslos Kanton Aargau entschädigt. 

Öffentlichkeit

Pro Aidants betreibt Öffentlichkeitsarbeit auf den bekannten Social-Media-Kanälen. Hinzu kommen ein eigener Newsletter und Blogposts.  

Die Aufmerksamkeit für das Thema "betreuende Angehörige" wird im Berichtsjahr dadurch gefördert, dass ein vierjähriges Forschungsprogramm des Bundesamts für Gesundheit mit zahlreichen Publikationen zu Ende geht. Noch nie gab es in der Schweiz so viel Faktenwissen zu diesem Thema, wie gerade jetzt. 

Leistungspalette

Innert kürzester Zeit schafft Pro Aidants eine ganze Palette von Leistungen für betreuende Angehörige. Mit viel Herzblut baut eine Arbeitsgruppe ein Forum auf. Ausgelöst durch eine Umfrage zur Covid19-Pandemie bei den betreuenden Angehörigen entstehen weitere Angebote. Besonders grossen Anklang findet der "Plan B", ein Notfallplan für den Fall, dass man selber als betreuende Person ausfällt.

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