Angehörige in die Lage versetzen, Sorge zu leisten

Anlässlich des Workshops an der Swiss Public Health Conference in Zusammenarbeit dem Bundesamt für Gesundheit und der Gesundheitsförderung Schweiz hat Pro Aidants die Frage gestellt, ob nach dem Aktionsplan für betreuende und pflegende Angehörige die Erarbeitung einer "Strategie zur Unterstützung und Förderung betreuender Angehöriger" nun der nächste logische Schritt sei.

Wer ist eigentlich eine betreuende Angehörige? Es gibt verschiedenen Definitionen. In einigen Ländern ist auch von Carer oder Caregiver die Rede.

«Betreuende und pflegende Angehörige sind Personen aller Altersgruppen, die einen Menschen, dem sie sich verbunden fühlen und/oder verpflichtet fühlen, über längere Zeit und in wesentlichem Ausmass in der Bewältigung und/oder Gestaltung des Alltags unterstützen, sofern er dies aus gesundheitlichen Gründen nicht alleine kann»

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Hannah Wepf/Heidi Kaspar/Ulrich Otto/Iren Bischofsberger/Agnes Leu, Ausgabe 3/17 - Pflegerecht

«Ein betreuender Angehöriger oder eine betreuende Angehörige ist eine Person, die ihre persönliche Zeit regelmässig einsetzt zur Unterstützung einer ihr nahestehenden Person jeden Alters, die in ihrer Gesundheit und/oder Autonomie eingeschränkt ist. Damit leistet der/die betreuende Angehörige sog. Care-Arbeit.

- Andreas Bircher, Schweizerisches Rotes Kreuz, 1. Nationale Tagung Alter ohne Gewalt, 28.01.2020

Pro Aidants, die Schweizerische Interessenvertretung für betreuende und pflegende Angehörige publizierte in ihrem Jahresbericht den Entwurf einer möglichen Carer-Strategie für die Schweiz, die auf dem Rahmenwerk von Eurocarers basiert.

10 steps of EU carers strategy


10 Schritte für eine Carerfreundliche Schweiz: 
Strategie für betreuende Angehörige

  1. Carer definieren und wertschätzen.

    Warum? Weil am Anfang von Entscheidungen zu Ungunsten von Carern oft ein fehlendes Verständnis steht, was Carer überhaupt tun.

  2. Carer identifizieren.

    Warum? Weil Carer ihre Arbeit im Stillen leisten und man sie zuerst kennen muss, bevor man sie gezielt ansprechen kann.

  3. Den Bedarf und die Bedürfnisse von Carern erheben.

    Warum? Was Carer brauchen, ist sehr individuell. Nur wenn zusammen mit Carern ermittelt wird, was sie genau benötigen, können sie wirksam unterstützt werden.

  4. Unterstützung eines partnerschaftliches Miteinanders bei der integrierten und gemeindenahen Pflege und Betreuung.

    Warum? Die Integration der unterschiedlichsten professionellen und informellen Akteure ist eine Voraussetzung für eine angemessene Pflege und Betreuung. Carer spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

  5. Erleichtern des Zugangs zu Informationen über Angehörigenbetreuung und Care-Life-Balance.

    Warum? Carer wird man in der Regel ohne lange Planung von einem Tag auf den anderen. In diesem Moment und in der darauf folgenden Zeit werden grundlegende Informationen benötigt.

  6. Auf die Gesundheit der Carer achten und negative gesundheitliche Folgen verhindern.

    Warum? Als Resultat des Einsatzes für andere überlastet sich ein Teil der Carer und wird selber pflegebedürftig.

  7. Carern eine Pause gönnen.

    Warum? Dass vorübergehend jemand anders die Pflege- und Betreuungsaufgaben übernimmt (Entlastungspflege), wird von Carern oft als die wichtigste und häufigste Form der Unterstützung zur Linderung von Pflegebelastung und Stress wahrgenommen.

  8. Carern den Zugang zu Schulungen ermöglichen und Anerkennung ihre Fähigkeiten.

    Warum? Gut informierte und gut unterstützte Carer handeln vorbeugend und versetzt sie in die Lage, länger und unter besseren Bedingungen für sich selbst und die von ihnen betreute Person eine qualitativ bessere Pflege zu leisten.

  9. Armut der Carer verhindern und ihnen ein aktives Berufsleben/Bildung ermöglichen

    Warum? Pflegende, die studieren oder arbeiten wollen und können, sollten dazu befähigt und nicht diskriminiert werden. Sie sollten in der Schule/Universität und am Arbeitsplatz unterstützt werden, um ihren Beschäftigungsstatus zu erhalten.

  10. Die Perspektive der Carer in alle relevanten Politikbereiche einbeziehen.

    Warum? Initiativen zugunsten pflegender und betreuender Angehöriger sind verknüpft mit einem breiten Spektrum von gesundheits- und sozialpolitischen Massnahmen.



Aufruf zur Partizipation

Wir laden alle Schweizer Carer, informelle Sorgeleistende, unbezahlten Care-Arbeiterinnen auf, sich an der Ausarbeitung einer Schweizer Strategie zur Unterstützung und Förderung betreuender Angehöriger zu beteiligen.

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