Kampagne zur Anerkennung und Unterstützung betreuender Angehöriger mit dem Ziel Angehörige in ganz Europa in die Lage zu versetzen, Sorge zu leisten 

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Zürich, 6. Oktober 2020 – Heute feiert Pro Aidants den erstmaligen «Europäischen Tag der betreuenden Angehörigen», der von Eurocarers ausgerufen wurde, um die unverzichtbare Rolle der betreuenden Angehörigen und ihren Bedarf an Unterstützung in ganz Europa hervorzuheben.

Untersuchungen zufolge leisten betreuende Angehörige in Europa über 80% der gesamten Betreuung und Pflege, wobei etwa zwei Drittel von Frauen geleistet werden. Betreuende Angehörige stehen oft vor sozialen, beruflichen, gesundheitlichen und finanziellen Herausforderungen, die sie daran hindern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

 Das Förderprogramm «Entlastungsangebote für betreuende Angehörige 2017-2020» des Bundesamts für Gesundheit hat aufgezeigt, dass jede 13. Person in der Schweiz ein Carer ist. Total sind 600’000 Menschen betreuend und unterstützen ihre Angehörigen. 2/3 davon sind zusätzlich erwerbstätig.

Um den Bedürfnissen der betreuenden Angehörigen gerecht zu werden, müssen Schritte hin zu einer Carerfreundlichen Gesellschaft in ganz Europa unternommen werden. Um dies zu erreichen, hat Eurocarers eine 10-Schritte-Strategie entwickelt, die politischen Entscheidungsträgern und anderen Interessenvertretern helfen soll, das Leben der betreuenden Angehörigen zu verbessern.


Strategie für betreuende Angehörige


1. Carer definieren und wertschätzen.

Warum? Weil am Anfang von Entscheidungen zu Ungunsten von Carern oft ein fehlendes Verständnis steht, was Carer überhaupt tun.

2. Carer identifizieren.
Warum? Weil Carer ihre Arbeit im Stillen leisten und man sie zuerst kennen muss, bevor man sie gezielt ansprechen kann.

3. Den Bedarf und die Bedürfnisse von Carern erheben.
Warum? Was Carer brauchen, ist sehr individuell. Nur wenn zusammen mit Carern ermittelt wird, was sie genau benötigen, können sie wirksam unterstützt werden.

4. Unterstützung eines partnerschaftlichen Miteinanders bei der integrierten und gemeindenahen Pflege und Betreuung.
Warum? Die Integration der unterschiedlichsten professionellen und informellen Akteure ist eine Voraussetzung für eine angemessene Pflege und Betreuung. Carer spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

5. Erleichtern des Zugangs zu Informationen über Angehörigenbetreuung und Care-Life-Balance.
Warum? Carer wird man in der Regel ohne lange Planung von einem Tag auf den anderen. In diesem Moment und in der darauf folgenden Zeit werden grundlegende Informationen benötigt.

6. Auf die Gesundheit der Carer achten und negative gesundheitliche Folgen verhindern.
Warum? Als Resultat des Einsatzes für andere überlastet sich ein Teil der Carer und wird selber pflegebedürftig.

7. Carern eine Pause gönnen.
Warum? Dass vorübergehend jemand anders die Pflege- und Betreuungsaufgaben übernimmt (Entlastungspflege), wird von Carern oft als die wichtigste und häufigste Form der Unterstützung zur Linderung von Pflegebelastung und Stress.

8. Carern den Zugang zu Schulungen ermöglichen und Anerkennung ihre Fähigkeiten.
Warum? Gut informierte und gut unterstützte Carer handeln vorbeugend und versetzt sie in die Lage, länger und unter besseren Bedingungen für sich selbst und die von ihnen betreute Person eine qualitativ bessere Pflege zu leisten.

9. Armut der Carer verhindern und ihnen ein aktives Berufsleben/Bildung ermöglichen
Warum? Pflegende, die studieren oder arbeiten wollen und können, sollten dazu befähigt und nicht diskriminiert werden. Sie sollten in der Schule/Universität und am Arbeitsplatz unterstützt werden, um ihren Beschäftigungsstatus zu erhalten.

10. Die Perspektive der Carer in alle relevanten Politikbereiche einbeziehen.
Warum? Initiativen zugunsten pflegender und betreuender Angehöriger sind verknüpft mit einem breiten Spektrum von gesundheits- und sozialpolitischen Massnahmen.

Pro Aidants lädt alle Schweizer Carer, informelle Sorgeleistende, unbezahlten Care-Arbeiterinnen auf, sich an der Ausarbeitung einer Schweizer Strategie zur Unterstützung und Förderung betreuender Angehöriger zu beteiligen.
https://www.proaidants.ch/carer-strategie

«Es wurden zwar einige Fortschritte erzielt, aber sie reichen nicht aus oder gehen nicht schnell genug voran, um sicherzustellen, dass betreuende Angehörige im Sozial- und Gesundheitswesen voll unterstützt werden", sagte Stecy Yghemonos, Direktor von Eurocarers. "In einer Zeit der globalen Epidemie ist es wichtiger denn je, das Bewusstsein für die Bedürfnisse der betreuenden Angehörige zu schärfen, um ihre zentrale Rolle in der Langzeitpflege anzuerkennen, den konsistenten Fortschritt in allen Ländern und Regionen Europas zu beschleunigen und die Gesundheit und das Wohlergehen der betreuenden Angehörigen zu schützen.»

Der European Carers Day mit den Hashtags #CarersDay_EU und #WeAreCarers_EU wird von Pro Aidants als Auftakt genutzt, um auf die Anliegen betreuender Angehöriger aufmerksam zu machen.
www.carersday.eu

Daneben findet momentan der Themenmonat «Betreuende Angehörige» des BAG mit dem Hashtag #DankeAngehoerige statt. Der Schlusspunkt der Kampagne bildet der Schweizer Tag der betreuenden Angehörigen am 30. Oktober 2020.
www.dankeangehoerige.ch

Über Pro Aidants
Pro Aidants ist eine nationale Interessenvertretung für betreuende Angehörige.
www.proaidants.ch

Über Eurocarers
Eurocarers bringt Angehörigenorganisationen sowie Universitäten und Forschungsinstitute zusammen - eine einzigartige Kombination, die eine evidenzbasierte Interessenvertretung ermöglicht. Unser Netzwerk setzt sich dafür ein, dass betreuende Angehörige geschätzt werden und die unbezahlte Sorgearbeit als zentral für die Nachhaltigkeit des Sozial- und anerkannt wird. Wir glauben, dass das Know-how und die Bedürfnisse der Pflegenden es wert sind, gehört zu werden, und dass die Menschen das Recht haben sollten, frei zu wählen, ob sie betreuende Angehörige sein wollen und in welchem Umfang sie in die Betreuung und Pflege einbezogen werden wollen. Unser Ziel ist es daher, eine Stimme für informelle Pflegende zu sein, unabhängig von ihrem Alter oder dem besonderen Gesundheitsbedarf der Person, die sie pflegen.
http://eurocarers.org 

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