Betreuende erwarten Signale

Wo in der Coronakrise bei den Angehörigen der Schuh drückt, zeigt erstmals eine aktuelle Ad-hoc-Umfrage von Pro Aidants. Was wenigen bewusst ist: Die pflegenden und betreuenden Angehörigen bilden den grössten Pflegedienst der Schweiz (rund 600'000 Personen, wie 2019 eine Careum-Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG zeigt). Sie spielen gemäss einer weiteren Studie bei der Koordination eine zentrale Rolle, die auch von Fachpersonen nicht übernommen werden kann. Mit anderen Worten: Sie sind "systemrelevant". Und sie erwarten jetzt positive Signale vom Bund und von den Kantonen.

Zur Umfrage rief Pro Aidants, die Schweizerische Interessensvertretung für betreuende und pflegende Angehörige, via Partnerorganisationen und soziale Medien auf. Die Auswertung soll erste Anhaltspunkte geben. Sie ist nicht repräsentativ aber dennoch sehr informativ. Den Fragebogen füllten bis 16. April 2020 242 Personen aus: 84 auf Deutsch, 121 auf Französisch und 37 auf Italienisch. Sie bezogen zu sieben Fragen Stellung und gaben zu einer offenen Frage ihren Kommentar ab.

Schutzmaterial auch für Angehörige

Betreuende und pflegende Angehörige sollten die Möglichkeit zum Bezug von Schutzmaterialien und geeignete Schulungen zum Umgang damit erhalten.



New York Times: Betreuende Angehörige sind einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt https://nyti.ms/2J4ULvM

 

Für Spitex einspringen ja, aber...

Die Spitex stösst an ihre Grenzen und Angehörige sollen einfache pflegerische Aufgaben übernehmen*. Für diese Tätigkeiten sollen sie während der Pandemiephase von den Krankenkassen bzw. der Spitex entschädigt werden.



* Blick: Bei der Spitex kann es vorkommen, dass die Arbeit priorisiert werden muss. «So kann es sein, dass einfache pflegerische Tätigkeiten, wie beispielsweise Stützstrümpfe an- oder ausziehen, von den Angehörigen durchgeführt werden müssen.» https://bit.ly/3b9AuBs

 


Nach drei Monaten wieder ausreisen?

Die Aufenthaltsdauer für Pflegemigrantinnen zu Hause sollte während der Pandemiephase ausgedehnt werden, damit diese nicht ausfallen. Die Aufenthaltsdauer für Pflegemigrantinnen zu Hause sollte während der Pandemiephase ausgedehnt werden, damit diese nicht ausfallen.



Deutschland: Corona stellt Angehörige betreuter Senioren vor Probleme: "Hals über Kopf zurück nach Polen" https://bit.ly/2xi1BLM

 

 

Kurzarbeitregelung übernehmen

Zur Entlastung bei der Kinderbetreuung gilt im Moment für Selbstständigerwerbende und Unternehmer, die beim eigenen Unternehmen angestellt sind, eine vereinfachte Regelung zur Kurzarbeit. Diese Vereinfachung soll auch für die Betreuung von Angehörigen gelten.


Bund: Massnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen.
Ausweitung und Vereinfachung Kurzarbeit https://bit.ly/2WGdm9s

 

 

Assistenz aus der Familie erlauben

Die Invalidenversicherung ermöglicht es Betroffenen unter bestimmten Voraussetzungen* mit Hilfe einer Assistenzperson zu Hause zu leben, anstatt in ein Heim einzutreten. Während der Pandemiephase soll diese Bestimmung gelockert werden.



*Die Assistenzperson darf nicht mit der versicherten Person verheiratet sein, mit ihr in eingetragener Partnerschaft leben oder in direkter Linie mit ihr verwandt sein.

 

 

Beschluss unverzüglich umsetzen

Das Parlament hat im Dezember ein Gesetz bewilligt, das die Angehörigenbetreuung erleichtert. Das Referendum wurde bisher nicht ergriffen. Der Bundesrat soll jetzt nicht mehr länger zuwarten. Wegen der aussergewöhnlichen Lage soll das Gesetz sofort nach Ablauf der Referendumsfrist* in Kraft treten und in allen Kantonen umgesetzt werden.



*Die Frist ist am 10. April 2020 ungenutzt abgelaufen. Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung https://bit.ly/39dKNmK

 


Über Kinderbetreuung hinaus denken

Der Betreuungsurlaub* soll während der Pandemiephase gelockert werden und nicht nur für eigene Kinder, die schwer krank oder verunfallt sind gelten. 

*Art. 329h https://bit.ly/39dKNmK

 

 


Kommentare

Kommentare, Kritik, offene Punkte aber auch Ideen förderte die abschliessende offene Frage zu Tage:

"Case Manager für pflegende Angehörige. Viele wissen nicht wie was wo beantragt werden kann und muss. Auch welche Unterstützung regional existieren ist oft ein Dschungel. Dabei braucht es Hilfe im Verstehen und Wissen um die vielen externen High professionell und low professionell Anbieter."

"Längere Arbeitszeiten sind für Demenz kranke Menschen besser als der stetige Wechsel von Betreuungspersonen und sollte von einer Kasse mit Unterstützt werden Finanziell"

"Der Corona-Erwerbsausfall soll auf betreuende Angehörige von behinderten Kindern über 12 Jahre und behindere Erwachsene ausgedehnt werden."

"Ich bin eine Risikoperson, da ich einen Herzinfarkt hatte vor 7 Jahren und zudem Diabetes Typ 2 habe. Meine Tochter ist in der Ausbildung in einer Kita und wohnt noch zu Hause. Sie ist nicht geschützt in diesem Beruf und kommt jeden Abend nach Hause. Wie vereinbart sich das mit dem Aufruf die Risiko Personen zu schützen? Wir halten uns an die Vorschriften des Bundes, ich bin aber immer unwohl und habe deswegen auch immer Angst."

"die obigen fragen zielen zwar in die richtige richtung, berühren jedoch kaum die frage nach einer 'systemrelevanten leistung' durch die betreuung oder pflege von eingeschränkten personen seitens angehöriger. der springende punkt, wie angesichts der aktuellen krise offenkundig, ist, dass angehörigen aufgrund der massnahmen und in verschiedenen fällen diese leistungen abverlangt werden, ohne als 'arbeit' anerkannt zu werden! dies entspricht jedoch einer allg. gesetzgebung, die diese art von leistungen bestenfalls als 'erwerbsausfall' zu vergüten vorsieht, aber im ggs. zu institutionellen trägerschaften (pflegeheime, wohngruppen für beeinträchtigte, etc.) eine analoge arbeit seitens angehöriger nicht als solche, d.h. als zu entlohnende, betrachtet. dies stellt nicht bloss eine klare diskriminierung dar, sondern kommt einer regularisierten ausbeutung gleich. nach der krise muss dieser sachverhalt die anstehende debatte und deren stossrichtung (auch medial) massgeblich bestimmen."

"Masken privaten aushändigen, die wie ich zu seiner 92 jährigen Mutter schaue"

"Menschrmen mit Beeinträchtigungen leiden darunter uhre Familie nicht sehen zu dürfen. Sie vollumfänglich zuhause betreuen ist aber auch schwierig. Wo gibt es Alternativen?"

"Unbedingt sofort unkomplizierten, günstigen Zugang zu Schutzmaterial ermöglichen und sicherstellen: Handschuhe, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Schutzanzüge."

"Bitte lasst betreuende Angehörige nicht allein! Vor allem Eltern mit schwer behinderten Kindern!"

"Finanzielle Unterstützung pflegender Angehörige"

"Falls eine Ausgangssperre erfolgt, kann diese von Menschen mit einer Demenz nicht eingehalten werden. Regelung - wer übernimmt die Betreuung, wenn Angehörige selbst zur Risikogruppe gehören und nicht im gleichen Haushalt wohnen?"

"Freiwillige suchen"

"EO Leistungen für betreuende Angehörige, sofern sie behinderte Kinder über 12 Jahre nun selbst betreuen müssen und EO Leistungen für betreuende Angehörige, sofern es sich um ERWACHSENE Betreute handelt, die ansonsten in Tagesstätten etc. betreut werden und dies aus COVID19 Gründen vorübergehend nicht möglich ist (Risikopersonen und/oder Tagesstätte geschlossen)."

"Bitte endlich die pflegenden Angehörigen über Assistenzbeitrag entschädigen!"

"Bitte eine Lösung für Temporärarbeiter-/innen finden, die wegen Kinderbetreuung gekündigt haben / mussten"

"Ich finde es sehr schlimm das es einfach nicht für alle eine Lösung gibt in dieser schwierigen Zeit. Ich musste meinen erwachsenen 23 jährigen Sohn mit einer geistigen Behinderung der unter der Woche im Wohnheim ist nach Hause nehmen. Ich bin geschieden, arbeite 80% im Verkauf. Pro Infirmis hat auch dicht gemacht. Und auch wenn Pro Infirmis Ihre Dienste noch anbieten würde, es würde finanziell nicht aufgehen. Zum Glück konnte ich in der Familie eine Lösung finden. Ich würde mir da einfach mehr Unterstützung wünschen."

"Bleibt alle gessund"

"Worauf, ausser auf Desinfektion und Isolierung muss man bei der Pflege einer/s Covid erkrankten Patienten/in noch besonders achten? Fiebersenkung, ab wieviel Grad und welche Medikamente?"

"Ausführungen rapportieren"

"Ich wünsche ganz Viel Glück"

"Wir sind zwei ältere Personen und bleiben zu Hause, ein Spaziergang von ca einer halben Std.machen wir in der Natur, ist das ok"

"Daten von Betroffenen Pflegenden sammeln betr. Covid19Wie viele infizieren sich, Daten betr. Mehrfachinfizierung/Genug Schutzausrüstung zur Verfügung stellen!!!!"

"Hilfslosenemtschädigung und Krankenkassenbeiträge werden nur bewilligt,wenn Spitex pflegt,bei Angehörigen ,die Betreuung und Pflege übernehmen ,nicht.RentnerInnen können kein Salär für Pflegende Angehörige aufbringen.
Pflegende brauchen auch separate Wohnräume und Ferien ,um ihre Ressourcen auszugleichen.Mietkosten sollen unkompliziert überniommeb werden."

"Warum verhindert das BAG, dass über die tollen Studien des Förderprogramms intensiv berichtet und diskutiert wird, warum dürfen Forschende nicht mit den sehr wichtigen Daten weiterarbeiten, die mit umfangreichen Steuermitteln erhoben wurden?"

"Bin ich als Lehrerin, welche mich täglich in einem Schulhaus bewege, in dem Kinder und Erwachsenene ein und aus gehen wegen Hausaufgaben, die geeignete Person für die Unterstützung meiner alten Mutter
(82) ? Zwar stelle ich derzeit nur Einkäufe vor die Türe, notfalls wäre aber näherer Kontakt nötig, und da zweifle ich, ob ich die ideale Person bin, wenn ich noch nebenbei 90% an einer Schule tätig bin. Darf ich Schulleitung bitten, mich zu dispensieren?"

"Entlöhnung für die Angehörigen"

"Telefon mit face time"

"Bezahlte Beurlaubung bei Arbeitgeber, bei Angehörigenbetreuung"

"Vollumfängliche fiscalische Anerkennung der Betreuung kranker Angehöriger um die Leistungen abzusetzen und volle Berücksichtigung bei der Rente als Gutschrift zur Versorgung im Alter"

"Einsatz von Digitalisierung zur Verbesserung der Pflege sollte noch vermehrt eingesetzt und evtl. vom Bund subventioniert werden"

"Flächendeckend CaseManagement trägerunabhängig zur Verfügung stellen
Spitex: möglichst Bezugspflege-Organisation: immer dieselben Pflegenden zu denselben Pflegebedürftigen"

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