Unbezahlte Care-Arbeit führt zu Armut im Alter

Der Tag der betreuenden Angehörigen und die Frauensession fielen in diesem Jahr zusammen. Unbezahlte Care-Arbeit hat einen jährlichen Wert von 248 Milliarden Franken. Diese unbezahlte Freiwilligenarbeit führt auch zu Armut im Alter. Altersarmut in der Schweiz ist weiblich, gerade weil Frauen viel unbezahlte Arbeit leisten. Betreuende Angehörige sind davon überproportional betroffen.

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Eine fairere Entschädigung der Angehörigenbetreuung war das dominierende Thema am diesjährigen Tag der betreuenden Angehörigen. So beispielsweise an der nationalen Tagung Gutes Alter für alle – eine öffentliche Aufgabe? Notwendig sei ein grundlegender Wandel des Systems der Unterstützung, Betreuung und Pflege im Alter: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen müsse im Zentrum stehen. Dieses System bedürfe einer öffentlichen Finanzierung aller notwendigen Leistungen.


Am Mediengespräch von Pro Aidants zeigte sich deutlich, dass die Finanzierung der hohen Kosten der Betreuung im Alter das dominierende Thema von Angehörigen ist. Um die Finanzierungsansprüche besser zu verstehen, wurde am Anlass ein Betreuungsrechner für Angehörige in Aussicht gestellt. 



Betreuungsrechner

Der Dienst soll auf Websites von Kantonen betreuenden Angehörigen dabei helfen, Finanzierungsansprüche für die Betreuung und Pflege von Angehörigen zu finden. Viele Angehörige wissen zum Beispiel nicht, dass die heute bereits verfügbare Hilfslosenentschädigung als ein Betreuungsbeitrag via Vorsorgeauftrag an die betreuenden Angehörigen ausbezahlt werden kann.

Seit diesem Jahr wird das Betreuungsguthaben bei der AHV schon bei mittlerer Hilflosigkeit gewährt. Daneben wurden die bezahlten Urlaubstage für die Betreuung von Angehörigen und kranke Kinder von zehn Tagen bis vier Wochen eingeführt. Die IGAB fordert hierzu einen Anspruch auf Langzeiturlaub auch für Arbeitnehmer, die Erwachsene betreuen.

Betreuungsgeld für Betreuungszeit

Das Modell der Paul Schiller Stiftung, aus der Studie Kosten und Finanzierung für eine gute Betreuung im Alter in der Schweiz, fand einen grossen Zuspruch bei Angehörigen, Fachpersonen und Politiker. Betreuungsgeld für Betreuungszeit sieht Stundenkontingente für ältere Personen mit Betreuungsbedarf vor – und leistet so mit einem Betreuungsgeld einen Beitrag an die hohen Kosten, die anfallen.

Zudem werden mit diesem Modell eine schweizweit einheitliche Abklärung, aufsuchende Angebote und die Qualitätsentwicklung für Anbietende finanziert. Das Modell behält die Qualität im Blick und macht Betreuung zugänglich – auch für Menschen mit geringen Mitteln und unabhängig von der Wohnform. Zur Studie, Zum Artikel in der NZZ und im Tages-Anzeiger.

Paul Schiller Stiftung

Maja Nagel Dettling, Stiftungsrätin Paul Schiller Stiftung. Auszug aus dem Mediengespräch von Pro Aidants zum Tag der betreuenden Angehörigen. 


Interkantonaler Tag der betreuenden Angehörigen


Der durch Westschweizer Kantone und dem Tessin lancierte Aktionstag wurde letztes Jahr erstmals durch den Kanton Bern in der Deutschschweiz offiziell eingeführt. Mit Betreuungsgutschriften bis zu 500.- pro Monat zur Entlastung von betreuenden Angehörigen und der Möglichkeit für Senioren sich Betreuungsleistungen einzukaufen, hat die Stadt Bern bereits positive Erfahrungen gemacht.

Der Tag der betreuenden Angehörigen wurde dieses Jahr erstmals im Kanton Graubünden eingeführt. Das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit hat dem Gesundheitsamt den Auftrag erteilt, die Tätigkeiten für die Erarbeitung eines Aktionsplans zur Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen aufzunehmen. Mit Entlastung durch unterstützende Angebote sowie Entschädigung vor Eintritt in das AHV-Alter.

Gesundheitsamt Kanton Graubünden

Christiane Eggert, Projektleitung betreuende und pflegende Angehörige, Gesundheitsamt Kanton Graubünden. Auszug aus dem Mediengespräch von Pro Aidants zum Tag der betreuenden Angehörigen.

Kanton Waadt als Innovationsführer


Der Kanton Waadt lancierte vor zehn Jahren eines der innovativsten Unterstützungsprogramme für betreuende Angehörige. Um es an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen, führte der Kanton eine Konsultation zum Bericht « Pour une reconnaissance des proches aidant-e-s » durch. Auf der Grundlage der Antworten der konsultierten Organisationen auf seine Vorschläge wurde nun die nächsten Etappen seines Aktionsplans für die Jahre 2021 bis 2026 festgelegt. Dazu gehört der bessere Zugang zu Entlastungsdiensten in der Nacht. Zudem soll mit einer kantonalen Plattform die Koordination der verschiedenen Betreuungs-, Entlastungs- und Pflegediensten verstärkt werden.

Nach dem Förderprogramm ist vor dem Impulsprogramm?


Die im Förderprogramm gewonnenen Erkenntnisse über die Bedürfnisse und den Bedarf des grössten Betreuungsdienstes in der Schweiz, der Verfügbarkeit von Modellen guter Praxis und die politischen Bestrebungen zur Finanzierung einer guten Betreuung im Alter, sind ausgezeichnete Grundlagen für ein nationales, strategisches Impulsprogramm, um betreuende Angehörige in die Lage zu versetzen, Sorge zu leisten.

Vereint bessere Rahmenbedingungen für betreuende Angehörige

schaffen.

 

Zur Vernetzung

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